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Samstag, 27. Juni 2015

Ein halbes Leben bis nach Ligurien

Ein halbes Leben lang dachte ich immer, was wollen nur alle in Italien? Nein, nicht abfällig, nur eher verwundert. Mit dem Auto eine so weite Strecke? Strand, Pizza, Pasta und all die anderen Köstlichkeiten gibt es doch auch hier und anderswo.

In diesem Frühjahr musste ich mir diese Frage selbst beantworten. Wir fuhren mit dem Auto nach Italien! Und schon die Hinfahrt war wunderbar, weiße Berggipfel vor tiefblauem Himmel und schreiend grüner, saftiger Natur! Schnell fahren? Wozu das denn... mit 110 durch Deutschland, Österreich, Schweiz, an Liechtenstein geschnuppert und rüber nach Italien, da ist ja schon der Weg das Ziel.



Und so kamen wir an in Ligurien. Noch ein paar Kilometer Serpentinen durch Olivenhaine rauf in die Berge und dann lag da dieses kleine Bergdorf. Unscheinbar, grau-braun in Stein gehauen, ohne viel Schnickschnack und mitten drin auf der Piazza im Schatten die alten Dorfbewohner beim allabendlichen Zusammensein.



Unsere Vermieterin begrüßt uns mit Spinattorte, Wein, Zitronen und Aprikosenmarmelade. Wir kennen uns nicht, sie tut das immer und für jeden Gast. Das ist nun mal so bei gastfreundlichen Menschen, und natürlich ist alles selbstgemacht. Und natürlich sind die Zitronen nicht gespritzt, wozu? Sowas brauchen wir hier nicht, hier ist alles Natur.



Nachts hörte man den Esel ein paar Hundert Meter weiter, die Gänse des Nachbarn schnatterten morgens zum Frühstück, die Katze kam zum Begrüßungskaffee, während uns die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres auf der Bank vorm Haus in der Nase kitzelten.



Buon giorno... jeder grüßt hier jeden freundlich, egal, ob man sich verstehen kann. Mit wilder Gestik geht auch schon mal eine kleine Unterhaltung, irgendwie sind wir jedenfalls immer mittendrin.







Zwei wunderschöne Wochen, in denen wir uns immer wieder und überall herzlichst willkommen fühlten und verwöhnt wurden mit den einfachsten Köstlichkeiten, von Menschen, die ihre Heimat innig lieben, und das mit Recht.

Unser Auto bog sich auf der Rückfahrt von all den Köstlichkeiten, die wir unbedingt mitnehmen mussten. Olivenöl, Wein, Limoncello, Parmigiano, Pasta... Wieder zu Hause suche ich nach Rezepten der ligurischen Küche und stoße dabei auf ein äußerst interessantes Buch - Das Geheimnis von Campodimele. Gut, es liegt nicht in Ligurien, dieses Bergdorf... aber schon bei den ersten Seiten erkenne ich unseren Urlaubsort wieder und lese mich fest. Und nicht nur das. Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten danach kochen, immer mal wieder. Und ich werde Euch daran teilhaben lassen. Es gibt vieles Einfaches, Vegetarisches, manches Veganes - alles aber immer sehr lecker. Uralt werden wir sicherlich auch nicht mehr, aber allein die Tatsache, dass ich mich an meinen Urlaubsort zurückkochen kann, ist besser als jede Entspannungsübung.

Hier ein Auszug aus dem Klappentext: "Giovanni isst seit über 100 Jahren regelmäßig Minestrone zum Mittag, Corradino fährt mit 96 noch Fahrrad, und die 93-jährige Signora backt regelmäßig ihr eigenes Brot mit Olivenöl und Rosmarin. Das Dorf Campodimele in den Auruncibergen nennen Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation den »Ort der Ewigkeit«. Die Bewohner leben nicht nur länger, bekommen seltener Krebs, Herzbeschwerden oder Diabetes, sondern sind auch im hohen Alter noch aktiv und gesund. Tracey Lawson dokumentiert ein Jahr im Leben der Dorfbewohner. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf deren Koch- und Essgewohnheiten, die der Schlüssel zu einem langen Leben sind. Die Rezepte der einfachen Gerichte, die dem Jahresrhythmus der Pflanzen und Tiere folgen, können auch viel beschäftigte Stadtmenschen nachkochen und genießen."

Sonntag, 11. Januar 2015

Neues Jahr, neue Ideen!

Draussen ist es Januar, mit all seinen blöden Eigenarten. Gestern Sturm und 10 Grad, heute kein Grad, dafür aber Schnee! Um zwei war alles weiss, um vier ist alles wieder grün. Dafür ist es drinnen schön gemütlich. Den Fernseher haben wir kurzerhand in den Urlaub geschickt. Vorbei sind all die furchtbaren, mit Werbungsmassen und endlosen Wiederholungsschleifen vollgestopften "Reality"-Soaps. Glauben die Fernsehmacher eigentlich wirklich, dass man beim Pieschern in der Pinkelpause auch sein Kurzzeitgedächtnis entleert? Oder weshalb bieten sie nach jeder Werbepause eine fünfminütige Zusammenfassung der Ereignisse? Wir verbringen unsere freie Zeit im Moment jedenfalls lieber nicht vor dem Flimmerquadrat.

Während es draussen schon wieder von Grün zu Weiss wechselt, stöbere ich nach neuen Rezepten. So ein jungfräuliches Jahr verlangt ja auch nach neuen Kochideen. Wir haben uns dieses Mal für die Veggiewelt entschieden. Heute erwartet uns ein mediterraner Gemüse-Reis-Auflauf mit Rosenkohl.

Nun, das war gestern. Und ehrlich? Es war nix. Rosenkohl mediterran ist nicht lecker. Und Reis braucht's dazu auch nicht. Das war dann mal ein Reinfall. Aber kann ja auch nicht immer alles schmecken, oder? Heute gibt's dafür als Trostpflästerchen den Rest vom Hühnerfricassee. Huhn is ja auch kein Fleisch ;-)

Lasst Euch die Woche nicht vergraulen, die Grippe geht um. Und wen es doch erwischt, dem sei mein Hühnersüppchen zu empfehlen. Samtweich auf der Zunge und seelenwarm im Bauch.

Donnerstag, 1. Januar 2015

Ein frohes und gesundes 2015!

Ich sitze am vernebelten Neujahrsmorgen mit einer Tasse dampfendem Kaffee hier vor meiner Tastatur und lasse die letzten Tage vor meinem inneren Auge Revue passieren. Schön war's! So viele freie Tage ohne Verpflichtungen, ohne viel Trubel  und doch nicht langweilig.

Der Advent war wie immer in den letzten Jahren eher unruhig - im Job musste noch dies und das bitte auch noch schnell, und privat war die Zeit gespickt mit Einkäufen, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmarktbesuchen (sowohl die schönen als auch die "mh... muss ich da wirklich hin"-Varianten) und diversen anderen Vorbereitungen.



Und auch wenn man selbst eigentlich gar keine Hektik verspürt, man wird unweigerlich damit angesteckt durch all die gestressten, unwirschen und drängelnden Mitmenschen, die auf Biegen und Brechen ein harmonisches Fest der Liebe wollen und am Ende mürrisch um die rieselnden Tannennadeln sitzen und sich wundern, dass wieder nix Positives dabei rumkam. Aber lassen wir sie vor sich hin murren und wenden uns wieder uns zu.

Bei uns war Weihnachten ganz ruhig - die Deko blieb aufgrund einer defekten Bodentreppe kurzerhand auf dem Speicher, es geht auch ohne das ganze Gebamsel. Zwei, drei rote Kerzen und ein roter Christmas-Teddy, daneben die beiden Katzen mit ihrem dicken Winterpuschelpelz zusammengerollt auf dem warmen Lammfell, im Garten ein paar Lichter und Christrosen - das macht wohlig!



Und in der Küche schmorte in diesem Jahr eine dicke Ente aus unserem Dorf, von der wir wissen, dass sie ein gutes Leben hatte, mit viel Platz für das federbesetzte Wackelpopöchen, lecker Fresschen und guter Landluft. Zwei Tage lang hielt uns das Federvieh in Atem. Dazu gab es natürlich viel braunes Sößchen, glänzenden Rotkohl und Klöße - leider aus der Packung, und das war auch das letzte Mal, völlig klebrige Pampe!



Am dritten Tag dann Kartoffelsalat mit Kamenzer Würstchen (alte Liebe meiner Eltern) und nettem Nachbarsbesuch und drum herum viel Selbstgemachtes, Mousse au Chocolat, die ersten selbst gebackenen Brötchen...



... einen Zitronenkuchen, ein paar Nougatpralinen, frisch gepresster und zuckersüsser Orangensaft. Aufgelockert wurde das ganze durch nette Spaziergänge in der Wintersonne, Scrabble am Nachmittag, Downton Abbey im TV und stinkfaule verregnete Sofanachmittage mit und ohne Buch. Ich hatte durch Zufall entdeckt, dass ein ehemaliger Mitschüler drei Bücher über sein Leben geschrieben hat - er ist Asperger-Autist, was aber erst im Alter von 41 Jahren diagnostiziert wurde. Das katapultierte mich natürlich auch in meine Kindheit und Jugend zurück, versöhnte mich ein wenig mit meiner Heimat und machte die kuscheligen Nachmittage besonders interessant und nett.







Gestern dann gipfelte die wohlige Zeit in einem ofenwarmen Sesam-Kartoffel-Paprika-Gedicht mit selbstgemachter Aioli und einem Sofa-Jahreswechsel, wir haben sogar den Sekt vergessen. Und jetzt gehe ich runter und backe Brötchen, der Rest der Familie schält sich gerade aus den Federn.

Euch allen wünsche ich einen guten Start in ein gesundes 2015!  Wir werden es - passend zu dieser Schilderung - ganz gemütlich auf dem Sofa mit meiner Lieblingsfernsehfamilie, den Waltons, starten. Nach langer langer Zeit endlich mal wieder John Boy "Gute Nacht" sagen hören...

Schöne Resttage noch, lasst es langsam angehen.

Sonntag, 30. November 2014

Ich bin wieder hier, in meinem Revier...

Ich denke, es wird Zeit, der kreativen Pause ein Ende zu setzen. Nein nein, ich habe natürlich das Kochen NICHT aufgegeben.... wäre ja nicht ich!

Nach wie vor ist Kochen eines der schönsten Hobbies, die ich mir vorstellen kann. Ich kann immer noch dabei relaxen, meine Gedanken einfach so dahinsimmern lassen, während meine Hände das Messer durchs Gemüse schwingen, der Löffel in sämige Suppen einschlüpft oder der Salat sich durch eine Dressingmassage verwöhnen lässt. Schöne Musik dazu.... vielleicht nen Wein... was will ich mehr. Und beim Essen dann das Lob einheimsen (naja, meistens, jedenfalls, gibt schon auch mal Mecker).

Die kreative Pause war aber einfach mal nötig, denn es ist schon recht aufwändig, zu kochen, dabei zu fotografieren und danach dann alles noch niederzuschreiben. Da schleicht sich dann nach einer gewissen Zeit eine Blogmüdigkeit ein. Und bevor ich gleich alles hinwerfe, dachte ich, gönne ich mir eine kleine Netz-Pause.

Und so könnt Ihr nun langsam wieder mit mir rechnen. Mit mir und meinen Küchengerüch(t)en. Gestern nach dem ersten Weihnachtsmarktbesuch gab es Grünkohl mit Bregenwurst. Aber ich bin ja eine ehrliche Haut, das Essen wurde vom Schlachter des Vertrauens gekocht, ich war saufaul. Muss ja auch mal...

Schönen faulen Abend Euch allen und bis bald mal wieder.
Eure Mrs. B.



Donnerstag, 26. Dezember 2013

Nu is auch gut...

Also ich find, jetzt reicht's allmählich. Alles, was in den letzten Wochen den Reißzahn hat tropfen lassen, ist mittlerweile genossen worden. Vom Spekulatius über den Dominostein, von der knusprigen Gans über den Kloß zum Pudding, vom zartrosa Lachs über das Ei mit dem Bacon zum Frühstück bis hin zum Mitternachtspraliné... ich kann es alles nicht mehr riechen oder schmecken.

Und ist es nicht herrlich, im Fernsehen mal nicht über all die Promi- und Amateurköche zu stolpern? Auch wenn ich sie nach wie vor ganz gern sehe, in den letzten Wochen lief ja beinahe ausschließlich auf allen Kanälen der Herd heiß - neuerdings dann auch noch der Backofen. Man könnte meinen, die Welt besteht nur noch aus Gaumenfreuden. 

Ich freu mich jetzt erst einmal über den Nachmittagskaffee ohne Kuchen.

Später gibt's dann noch Würstchen mit Kartoffelsalat... und Schokopudding. Mit Schlagsahne. Konsequenz, ick liebe Dir!

Samstag, 9. Februar 2013

Frühstück in Paris

Ich war in Paris. Was für eine Stadt! Und alle meine Klischees wurden bedient. Der Verkehr ist höllisch und die Taxifahrer sind Verbrecher, die Städter wirken hochnäsig, die Damen sind Madame und die Herren Monsieur und bezahlbar ist eigentlich gar nichts. Aber dafür bekommt man sehr sehr viel für's Auge - Eleganz, Glanz, Kunst, Pompöses und Schlichtes, Hässliches und sogar ganz Normales wie dieses herrliche Frühstück.

Croissants, Hühnerbein und Aprikosenmarmelade. Was das Hühnerbein da zu suchen hatte? Nix, es war aber lecker.

Balsamico, Olivenöl, Rosinenbrot und Camembert

Einen Traum hat man mir dort jedenfalls erfüllt - ich wollte schon immer dieses gesalzene Caramell-Eis probieren. Und prompt stand es auf der Karte des Restaurants, das wir am ersten Abend besuchten. Es war zwar die reine Sünde, aber sie war es mehr als wert. Zumal sie sich an eine zweite Sünde lehnte, nämlich an eine herrlich aromatische Tarte Tatin (der berühmte gestürzte Apfelkuchen). 



Und als Erinnerung habe ich mir natürlich ein Kochbuch mitgebracht. Das bringt mich zwar sicherlich an die Grenzen meines sprachlichen Könnens (6 Jahre in der Schule sind recht viel, aber diese Zeit liegt ja nun auch schon ungefähr, naja, knappe 2 Jahre zurück....), aber es wird mich sicherlich auch glücklich machen, vorausgesetzt, ich kann diese wunderbaren Köstlichkeiten wirklich zaubern.



Es vereint wirklich alles, was man sich so kulinarisch zu Frankreich denkt - Austern, Aufläufe und Auberginen findet man genauso wie Ratatouille, Tarte Tatin und Madeleines. Formidable. Nun muss ich nur noch die Reste Französisch aus meinem Hirn zusammenkratzen und mit einem Wörterbuch bewaffnet übersetzen und rausfinden, wie ich das Ganze in unsere neuen Koch- und Essgewohnheiten pressen kann. Aber wird schon - weniger Fett, Portionen ein wenig kleiner, lieber einen Salat dazu und nicht so oft daraus kochen, sondern immer mal wieder etwas einstreuen. Dann passt das auch in unser Konzept.


Bonne chance et au revoir a Paris!


Samstag, 26. Januar 2013

Neues vom Brett und Fotos vom Gaumenfeuer

Mein Brett hat mich ja nun durch die vergangenen vier Wochen begleitet und ich bin immer noch hellauf begeistert. Die Schnittfläche hat nun die ersten Gebrauchsspuren und dadurch bekommt das Holz eine ganz leichte Honigfärbung. Die Schüssel lässt sich sowohl als Müllhalde als auch als Schnittgutsammler verwenden, zum Spülen geht sie ab in die Maschine und das Brett wird einfach nur abgewischt oder unter fließendem Wasser abgespült. Die lästigen Schnippelarbeiten sind gar kein Problem mehr, weil man viel mehr den Rücken entlastet. Es kann zwar noch nicht selbst schnippeln, aber das kommt schon noch...

Und hier noch das versprochene Nachtragsfoto vom Chili:


Und weil es ein bisi wenig war, haben wir noch griechische Nudeln dazugekocht - oberlecker! Darin verbirgt sich nämlich ein Hauch Zimt, der zum Hack im Chili einfach ne Bombe ist!


Samstag, 5. Januar 2013

Holz ist ein Stück Glück

Ich habe es wieder getan. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Und es macht so zufrieden, ja glücklich...... Nein, ich bin kein Shopaholic - aber ich kann auch nicht gerade behaupten, dass es mich kalt lässt. Und wenn ich mich einmal in etwas verguckt habe, dann schleiche ich drum herum wie ein witterndes Tier, die Nackenhaare aufgestellt, alle Sinne beim Objekt der Begierde und alles in mir sagt: Pack zu!!

Heutiges Opfer: ein Schneidbrett. Ich weiss, Ihr sinkt jetzt verständnislos kopfschüttelnd in Euch zusammen, habt Ihr doch etwas deutlich Spektakuläreres erwartet. Aber wenn Ihr wüsstet, was ich da jetzt in meine Höhle geschleppt habe.... mein neuer Schatzzz ist aus massivem Ahornholz von Hand gefertigt, weich und kühl und gut zu mir und meinen Messern. Es hat eine Aussparung für eine Schüssel, so dass ich all die kleinen Schnippel-Schätze gleich in eben jene Schüssel versenken kann. Und nicht nur das. Es ist recht hoch und liegt auf zwei Sockeln, so dass auch noch ein Teller darunter geschoben werden kann. Dieses Brett habe ich schon seit langer langer Zeit gesucht. Es macht meinem Rücken wohl, weil es so hoch ist, es freut mein Auge und es war einfach ein herrliches Kauferlebnis.



Ich hatte ein ähnliches Brett vor Jahren bei diesem Kaffee-Kaufhaus erstanden, bei dem man immer so Sachen kauft, über deren Sinn und Unsinn man hinterher noch lange nachdenkt. Dieses Brett jedoch war anders - es war ein Brett mit einer Aussparung, in der eine Schüssel Platz fand. Ich habe es geliebt, viele Jahre hat es mich begleitet - schnippeln, in die Schüssel schieben ohne zu kleckern, nächstes schnippeln, in Schüssel schieben, nächstes.... Rechts die Schüssel, links konnte noch ein kleiner Teller in eine weitere Aussparung darunter geschoben werden.

Mit den Jahren hat dieses Brett dann aber doch recht gelitten, denn das Holz war nicht besonders hochwertig, quoll auf und ward keine eben Fläche mehr. Nur leider ist mir ein solches Brett nie wieder über den Weg gelaufen, so musste mein Messer eben viele viele Jahre über das alte alte Brett voller Riefen holpern, bis ich aufgab und herzlos auf Kunststoff weitersäbelte.

Das Neue - noch jungfräulich

Bis kurz vor Weihnachten. Ich stolperte im Internet über eine geniale Website - Orangewood.de. Neben eben jenen Brettern gab es auch noch andere wunderschöne Stücke aus Holz - und ich liebe Holz. Holz lebt und kann Geschichten erzählen. Bäume und Holz sprechen ganz viele Sinne an. Holz ist für mich gewachsene Natur, warme Farben, intensive Gerüche, wohlige Wärme, Möbelstücke, die Geborgenheit bieten... und ich beneide Menschen, die aus Holz schöne und praktische Gegenstände zaubern können. Da kann ich mich schwindelig kaufen.

Ich wählte kurzerhand die Nummer, verabredete mich mit der netten Stimme am anderen Ende der Leitung und heute machten Mr. H. und ich uns also bei gruseligem Nieselwetter und tiefhängenden Wolken auf den Weg dorthin. Zwei sympathische Menschen voller guter Ideen, zwei muckelige Katzen und richtig viel duftendes Holz! Herrlich. Diese Fahrt hat sich wirklich gelohnt: wir wurden sehr nett empfangen, konnten uns die Werkstatt ansehen, bekamen eine intensive, kompetente und wohltuend nette Beratung und gleich mehrere Holz-Schätze, die wir Euch natürlich nicht vorenthalten möchten.


Das lebt, das erzählt und wärmt.






Und wer macht jetzt die Schnippelarbeit? Wir schlagen uns drum....








Mittwoch, 26. Dezember 2012

Das große Fressen

Ich hatte es ja schon erwähnt - der erste Feiertag gehört meiner Tante. Seit meine Eltern nicht mehr unter uns weilen, sind wir jedes Jahr bei ihr zum "Großen Fressen" eingeladen - eine sehr lieb gewonnene Tradition, die wir nicht mehr missen möchten. Weil diese Familie einfach Spaß macht, weil meine Tante verflixt gut kochen kann, weil es so lecker schmeckt, weil es nicht aufhört und weil wir uns einfach nur sauwohl fühlen.

Halb eins - das ist die Zeit, zu der wir erwartet werden. Vorher noch einen kurzen Besuch bei meiner Lieblings-Kati. Sie hat vor langer Zeit bei meinem Vater gearbeitet und ist mir damals sehr ans Herz gewachsen. Wir haben uns dann aus den Augen verloren, aber manche Verbindungen finden eben irgendwie wieder zueinander und so war das auch bei uns. Heute ist es ein Muss, an Weihnachten vorbei zu schauen, und wenn sie nicht zu Hause ist, dann hängen wir unseren Weihnachtsgruß an die Tür. Und dann geht's weiter zu meiner Tante.

Ziemlich geschafft vom Heiligabend-Beisammensein kriecht die Familie aus ihren Löchern. War wieder mal ein sehr langer und sehr lustiger Abend! Der Duft von Gänsebraten und Rotkohl steigt uns in die Nase und mir ist schon wieder ganz weihnachtlich...

Und dann fährt sie auf, die Tante. Braten, Rotkohl, Rosenkohl, Klöße (ich esse nie welche, nur bei diesem Gelage gehören sie dazu!), Kartoffeln, Sauce. Und dann noch mal. Und noch mal. Nein, ich kann nicht mehr. Nein, danke, wirklich.... och, naja, das eine Stück, das da, das ganz kleine.... noch einen Löffel Rotkohl? Wie, es gibt auch noch Nachtisch?! Eis mit heissen Himbeeren? Eigentlich... na, gib halt her.

Bißchen Bewegung? Och nö, das ist sooo uselig draussen.... 

Eine Runde Monopoly, Siedler oder so später (in diesem Jahr war es Phase 10) folgt dann natürlich der Kaffee - mit der leckeren Kirsch-Mohn-Torte. Im letzten Jahr wollte ich auch mal glänzen... und habe völlig versagt. Seitdem bin ich die Back-Schlampe.... Greuslig aussehende After-Eight-Torte, die nicht fest geworden war und die ich noch hier zu Hause entsorgt habe. Zu groß war die Schmach. Und der Nusskuchen, in den das zu fest gewordene Karamell nicht eindringen wollte, war staubtrocken und fürchterlich. Aber was soll's, es gab halt eine Lachsalve mehr an diesem Fest.

Dann noch eine Runde Fernsehen, Spielen, Klönen, auf der Terrasse stehen und rauchen, sich wohl fühlen.... und dann wartet auch schon das Abendbrot. Mit Lachs, Schnittchen und und und. Meine Tante steht winkend in der Tür, während Mr. H., ich und unsere neu erworbenen Rundungen im Autositz versinken. Ein Jahr Pause.... ach ne, gibt ja noch ein Grillfest im Sommer....

Danke, liebe Tante Gisela!



  

Freitag, 21. Dezember 2012

Frühstück

Im Urlaub ist Frühstück das schönste überhaupt. Es gibt ja ne Menge Leute, die es lieben, frühstücken zu gehen. Ich gehöre nicht dazu. Nichts ist schöner, als morgens in den Lieblingsklamotten so langsam vor sich hin zu puzzeln. Kaffee aufsetzen (mit der ganz normalen Kaffeemaschine, nix macchiato, latte, schaumig, crema oder sonstwie - am liebsten hätte ich eigentlich eine Presskanne, nur wird der Kaffee darin immer so schnell kalt...), den Eierkocher mit Bioeiern bestücken, frischen O-Saft pressen, Tisch decken, während dessen ein wenig Ordnung in der Küche schaffen und den Kaffeeduft geniessen, an Sonntagen statt der gekochten Eier vielleicht noch Eier mit Speck brutzeln, oder Rühreier mit Schnittlauch aus dem Garten schaumig schlagen.... ich liebe dieses meditative Herumwuseln. Mr. H. ist dann meistens auf dem Weg zum Brötchen holen - samstags vom Dorfwagen, da gibt's dann zum frischen Fleischsalat gleich die neuesten Neuigkeiten gratis dazu, und sonntags aus dem Nachbarort vom Nicht-Ketten-Bäcker. Heute gab es allerdings frischen Toast, während Mr. H. schon wieder Schnee schippen musste. Ich lass Euch an unserem vorweihnachtlichen Frühstück teilhaben, während ich noch genüsslich an der letzten Tasse Kaffee nippe.

Königlich gute Laune überm Frühstückstisch.

Blutorangengelee mit Vanille auf warmem Toast. Hat nicht jeder....

Mr. H. steht auf Käse am Morgen....

Genau mein Motto!

Das Vogelhäuschen in der Zierkirsche - mit ner dicken frischen Schneehaube und noch ohne Gast.

Euch allen einen schönen Tag!

Sonntag, 2. September 2012

Die Küche meiner Mutter

An die Küche, in der ich in meinem Laufstall brabbelte, habe ich keine Erinnerung mehr. Nur der Küchenschrank mit den pastellfarbenen Schiebetüren und den für die Fünfziger typisch abgerundeten Griffen ist mir noch im Gedächtnis geblieben, weil er bis zum Schluss auf dem Speicher im Haus meiner Eltern stand. 

Mitte der Sechziger - ich war gerade mal 2 - zogen meine Eltern ins Eigenheim und dort war mir die Küche sehr wohl vertraut - sie war quadratisch und praktisch, weiße Einbauschränke bis unter die Decke mit gelb-weißem Minikaro-Band abgesetzt und einer gelb-weißen Minikaro-Arbeitsplatte. Es waren immens viele Schränke voll mit Küchenschätzen, deren Verwendungszweck mir manchmal bis zum Schluss verborgen blieb.

Aber immerhin hatte die Küche eine Spülmaschine, eine Brotschneidemaschine, eine Spüle, einen Elektroherd, einen Einbaukühlschrank, eine Dunstabzugshaube und einen Vogelkäfig mit Pitti, dem Wellensittich. Zu dieser Zeit hat man über eventuelle Nachteile der Tierhaltung in Küchen natürlich nicht nachgedacht. Damals war es auch normal, einen in den Dreck gefallenen Schnuller abzulecken und ihn dem Kinde wieder in den Mund zu schieben. Heute sicherlich ein Fall für das praktische Desinfektionsspray oder gleich den Allergologen....

Bei uns gehörte Pitti mit zum Küchengeschehen. Schließlich war die Küche Dreh- und Angelpunkt für alle wichtigen Dinge, die im Haus passierten, da durfte der redselige Wellensittich nicht fehlen. Hier bekam mein Opa den Einkaufszettel in die Hand gedrückt, hier wurde mittags mein heißgeliebter Heidelbeerjoghurt zusammengerührt und hier hab ich auch meine Fünf in Mathe gebeichtet, nachdem ich die Schultasche mißmutig unter den Hocker gepfeffert hatte.

Ach, genau, eine Joghurtmaschine gab es auch noch. Und einen Toaster, ein Küchenradio, eine Saftpresse, einen an der Wand befestigten Dosenöffner (geniale Erfindung) und Milliarden von Töpfen, Pfannen, Messern und und und...

Ende der Siebziger kam dann natürlich auch eine Mikrowelle hinzu. Aber wie in so vielen Küchen wurde sie nie wirklich benutzt, höchstens zum Aufwärmen, wenn's mal schnell gehen musste. Aber man konnte wenigstens was drauf abstellen. Und zum Brötchen aufbacken war sie definitiv ungeeignet - die Dinger kamen innen kohlrabenschwarz und außen bleich wie Mehl wieder aus dem Gerät heraus. Und gestunken hat es - nach verbrannt...

Alles in allem hat sich in all den Jahren nicht viel in dieser Küche verändert. Gelächter, Streit, Geheimnisse, Schicksale waren genauso normal wie Gänsebraten, Schnippelbohnen, heißer Kakao und Gurkenlalalat...