Samstag, 10. November 2012

Linseneintopf

Heute hat uns der Herbst voll im Griff. Es regnet Bindfäden, auf den Pfützen bilden sich Blasen, die dicken Wolken hängen tief und jeder stapft mehr oder weniger mißmutig durch das Einheitsgrau. Aber gerade an solchen Tagen kann man das eigene Zuhause genießen! Warme Socken, Leggins, Shirt, Fleece-Jacke, schöne Musik, ein paar Kerzen, ein Buch vor die Nase und ab und zu mal den Regentropfen zusehen, wie sie von den Blättern und Gräsern gleiten, während man am heissen Tee schlürft.

November in Ostfriesland - genauso uselig wie hier


Und für die innere Wärme gibt's einen Linseneintopf. Auch so eine Kindheitserinnerung. Aber dazu später mehr...



Ich mach vom Eintopf gleich ein bißchen mehr, dann hat man beim nächsten Gartenbuddeln gleich wieder was zum Aufwärmen!


   
250g geräucherten Bauchspeck in kleine Würfel schneiden und in einem großen Topf anbräunen. 2 Stangen Lauch (Porree) putzen, waschen und in Ringe schneiden. 2 Möhren in Scheiben und 100 g Sellerie (1/4 einer kleinen Knolle) in kleine Würfel schneiden. Alles zu dem Speck geben und ca. 5 min mitdünsten. Eine Zwiebel schälen und mit 2 Nelken spicken. 500 g Linsen (ohne Einweichen), die Zwiebel und ein Lorbeerblatt hinzugeben und mit 1,5 l heissem Wasser aufgiessen. Kräftig mit Salz und Pfeffer würzen. Insgesamt muß der Eintopf dann 45 min bei schwacher Hitze köcheln. Nach 20 min Kochzeit kommen noch 500 g in Würfel geschnittene Kartoffeln dazu und 10 min vor Ende der Garzeit dem Eintopf noch ein paar Mettenden gönnen.Unser Lieblingsschlachter hatte gerade so leckere Mett-Süsschen im Angebot, daher auch die Idee mit dem Linseneintopf. Die Wurst-Kette konnte ich einfach nicht links liegenlassen...



Linsen mochte unser Opi übrigens besonders gern mit Essig und Zucker. Und wer es mit unserem Opi halten möchte, gibt noch einen EL Zucker und 3-4 EL Essig in die Suppe. Mag aber nicht jeder, also einfach den Zucker und den Essig auf den Tisch stellen. Kann dann ja jeder selbst kreativ werden. Ich muss auch nicht immer alles machen...


PS: Liebe Grüße an meine Schwester. Ich hab Dich lieb.

Donnerstag, 8. November 2012

Wundersame Spaghetti

Es gibt Gerichte, die müssen einfach immer wieder sein. Definitiv eines davon sind die Spaghetti mit Tomatensauce. Als ich noch Kind war, zauberte meine Mutter immer eine eigene Kreation. Damals durfte man sich zum Geburtstag natürlich sein Lieblingsessen wünschen. Und ich hab mir natürlich immer Spaghetti mit Tomatensauce gewünscht - hatte aber auch immer die leise Hoffnung, meine Mutter würde auf die "geniale" Idee kommen, die berühmte "Wunder"-Fertigmischung zu kredenzen. Weit gefehlt - es gab IMMER die Eigenkreation - wie laaaaaaangweilig. Aber einmal hat sie mich dann doch überrascht - es gab beide Varianten! Was für ein Fest. Und alle eingeladenen Kinder stürzten sich auf Muttis Mix und ich hatte den Mira...Topf ganz für mich allein. Am Ende der Feier waren wir alle über und über mit Sauce beschmiert und mir war ein wenig schlecht, aber das hätte ich natürlich nie zugegeben.


Heute brauchts die Fertigmischung natürlich nicht mehr. Erstens weiss ich, wie ich dem Geschmack sehr nah komme und zweitens gehts wie immer auch ohne Verstärker.


1 Zwiebel würfeln und in 2 EL Olivenöl glasig dünsten.



1 Knoblauchzehe fein hacken und zusammen mit dem Tomatenmark leicht anrösten. Ich nehme immer gleich zwei Dosen, dann bleibt vielleicht auch was übrig zum Einfrieren.
Drei Dosenfüllungen Wasser hinzufügen und mit Salz, Pfeffer und geriebenem Oregano würzen. Die frische Variante aus dem eigenen Garten wäre natürlich die aromatischere Variante! Wer mag, kann noch ein kleines Stückchen Butter darin schmelzen lassen.





Die Spaghetti in reichlich Salzwasser bissfest kochen und mit der Sauce und frisch geriebenem Parmesan anrichten.



PS: Den Parmesan erledigt übrigens Ruby!



Sonntag, 28. Oktober 2012

Sauerkraut-Lasagne

Als wir heute morgen aufwachten, fiel mein Blick auf die Nachbarsdächer - sie waren alle WEISS!!! Man, war das toll. Noch nicht mal November und es ist so lausig kalt, dass sich gleich der erste zaghafte Schnee blicken lässt! 

Für die Küche bedeutet das natürlich DEFTIG. Na, Grünkohl wäre noch übertrieben. Aber Sauerkraut wäre schon angebracht. Aber Lasagne mit Sauerkraut? Bäh, war die erste Reaktion von Mr. Hudson. Also entweder Nudeln ODER deftiges Sauerkraut. Naja, denken sicherlich viele. Aber Mrs. Bridges setzt sich durch - und? War super lecker und sooooo einfach. Sag ich doch... danke, Tim Mälzer!


100 g durchwachsener Speck in schmale Streifen schneiden und in 2 EL Öl hellbraun anbraten. 2 Zwiebeln in halbe Ringe schneiden und zu dem Speck in die Pfanne geben. Mit Salz, Pfeffer und gemahlenem Kümmel würzen. Mit 300 ml Gemüsebrühe ablöschen und einen Becher Sahne angiessen. Aufkochen lassen und kräftig abschmecken.

Die Auflaufform mit Butter einfetten. Das Sauerkraut (mittlere Dose, 360 g)  in einem Sieb abtropfen lassen und ausdrücken. 150 g Bergkäse raspeln (macht bei uns übrigens Ruby).

Nun 1/3 des Sauerkrauts in die Auflaufform geben und mit 3 Lasagneblättern belegen (man braucht insgesamt 9 Lasagneblätter). Darauf 1/3 Sauerkraut und 1/3 der Zwiebel-Speck-Sauce geben und mit 1/3 des Bergkäses bestreuen. Darauf die nächsten 3 Lasagneblätter schichten und diese wiederum mit 1/3 des Sauerkrauts und 1/3 der Sauce belegen und mit Käse bestreuen. Die letzten 3 Lasagneblätter darauf legen, mit dem Rest der Zutaten belegen bzw. begießen und bei 200 °C (Umluft 180°C) auf der untersten Schiene 30 min überbacken.

10 min auskühlen lassen, damit die Lasagne hinterher auch nicht auseinanderfließt und dann mit einem Weißwein oder Bier genießen. 

Nachkochen und kommentieren, bitteschön! (Für ein Bild war es zu spät - war schon alles aufgegessen).


Samstag, 15. September 2012

Der Küchenderwisch "Ruby"



Küchenmaschinen waren mir ja irgendwie immer suspekt. Sie nehmen meistens viel zu viel wichtigen Schnippel- und Vorbereitungsplatz in Anspruch, machen Lärm und sind doof zu reinigen. Dieses ewige Abspülen, wenn man mehrere Dinge nacheinander zu rühren oder sonstwie zu bewerkeln hat. Und dann können die Dinger immer nur wenige Schritte in der Küche ersetzen - also irgendwie war das in meinen Augen immer rausgeschmissenes Geld und landete über kurz oder lang auf dem Schrott oder wurde wieder feil geboten.


Aber ich habe mich belehren lassen. Es gibt tatsächlich eine Höllenmaschine, die was taugt. Sie kann rühren, kneten, pulverisieren, schlagen, mahlen, dämpfen, kochen und reinigt sich zwischendurch sogar von allein. Sie hat nur zwei entscheidende Nachteile - sie kann das alles nicht geräuschlos und sie kostet teuer...


Aber ich habe sie lieben gelernt. Und weil das so ist, musste ich sie taufen - eigentlich sollte sie Mrs. Brigdes heißen, weil sie unter lautem Gezeter so leckere Sachen zaubern kann. Durchgesetzt hat sich dann aber doch der Name "Ruby" - denn sie ist nicht die Schönste und spülen muss sie auch allein. Böse Zungen behaupten, dass der andere Name ja auch schon an mich vergeben war, wegen des Gezeters.... was liegt also näher, als meinem geliebten W. den "Mr. Hudson" zu verpassen.


Wenn Ihr also das eine oder andere Rezept unter der Rubrik "Ruby" findet, so solltet Ihr auch so ein Höllending besitzen: TM 21 oder TM 31 oder TM6 oder was auch immer danach noch kommen mag.

Sonntag, 2. September 2012

Die Küche meiner Mutter

An die Küche, in der ich in meinem Laufstall brabbelte, habe ich keine Erinnerung mehr. Nur der Küchenschrank mit den pastellfarbenen Schiebetüren und den für die Fünfziger typisch abgerundeten Griffen ist mir noch im Gedächtnis geblieben, weil er bis zum Schluss auf dem Speicher im Haus meiner Eltern stand. 

Mitte der Sechziger - ich war gerade mal 2 - zogen meine Eltern ins Eigenheim und dort war mir die Küche sehr wohl vertraut - sie war quadratisch und praktisch, weiße Einbauschränke bis unter die Decke mit gelb-weißem Minikaro-Band abgesetzt und einer gelb-weißen Minikaro-Arbeitsplatte. Es waren immens viele Schränke voll mit Küchenschätzen, deren Verwendungszweck mir manchmal bis zum Schluss verborgen blieb.

Aber immerhin hatte die Küche eine Spülmaschine, eine Brotschneidemaschine, eine Spüle, einen Elektroherd, einen Einbaukühlschrank, eine Dunstabzugshaube und einen Vogelkäfig mit Pitti, dem Wellensittich. Zu dieser Zeit hat man über eventuelle Nachteile der Tierhaltung in Küchen natürlich nicht nachgedacht. Damals war es auch normal, einen in den Dreck gefallenen Schnuller abzulecken und ihn dem Kinde wieder in den Mund zu schieben. Heute sicherlich ein Fall für das praktische Desinfektionsspray oder gleich den Allergologen....

Bei uns gehörte Pitti mit zum Küchengeschehen. Schließlich war die Küche Dreh- und Angelpunkt für alle wichtigen Dinge, die im Haus passierten, da durfte der redselige Wellensittich nicht fehlen. Hier bekam mein Opa den Einkaufszettel in die Hand gedrückt, hier wurde mittags mein heißgeliebter Heidelbeerjoghurt zusammengerührt und hier hab ich auch meine Fünf in Mathe gebeichtet, nachdem ich die Schultasche mißmutig unter den Hocker gepfeffert hatte.

Ach, genau, eine Joghurtmaschine gab es auch noch. Und einen Toaster, ein Küchenradio, eine Saftpresse, einen an der Wand befestigten Dosenöffner (geniale Erfindung) und Milliarden von Töpfen, Pfannen, Messern und und und...

Ende der Siebziger kam dann natürlich auch eine Mikrowelle hinzu. Aber wie in so vielen Küchen wurde sie nie wirklich benutzt, höchstens zum Aufwärmen, wenn's mal schnell gehen musste. Aber man konnte wenigstens was drauf abstellen. Und zum Brötchen aufbacken war sie definitiv ungeeignet - die Dinger kamen innen kohlrabenschwarz und außen bleich wie Mehl wieder aus dem Gerät heraus. Und gestunken hat es - nach verbrannt...

Alles in allem hat sich in all den Jahren nicht viel in dieser Küche verändert. Gelächter, Streit, Geheimnisse, Schicksale waren genauso normal wie Gänsebraten, Schnippelbohnen, heißer Kakao und Gurkenlalalat...